„Was ein richtiger Musiker sein will, der muss auch eine Speisekarte komponieren können“

Das behauptet jedenfalls Richard Strauss. Und je länger ich mich mit Musik beschäftige, desto klarer wird mir, was er damit meint: man sollte als Kreativer stets sein Handwerk im Blick haben. Der große Einfall ist ein Glück, das zur Umsetzung notwendige Know-How braucht Erfahrung. Bauch und Kopf gehören zusammen wie Inspiration und Transpiration. Natürlich freue ich mich riesig, wenn ich den Auftrag bekomme, ein Orchesterstück zu schreiben und dabei meinen Ideen freien Lauf lassen darf. Wenn ich aber “Summertime” für den Blockflötenkreis einer Musikschule setzen soll, dann nehme ich das genauso ernst. Ich spiele als Cellist genauso gerne Streichquartett wie in einer Pop-Band. Improvisierte Musik stellt für mich die Notation nicht grundsätzlich in Frage und eine Kadenz zu Haydns D-Dur-Konzert ist nicht mehr Wert als ein Solo über einen Jazz-Standard. Das ist nun einmal unsere Zeit. Alles ist möglich und nichts muss sein. Kunst ist Luxus, Kunst ist Grundbedarf. Jeder darf singen und keiner hört zu. Das ist nämlich meiner Meinung nach das Hauptproblem. Schön ist es, wenn Musik uns erreicht. Aber sind wir überhaupt dazu bereit?
Musik kann alles – man muss sie nur lassen.

Ich freue mich auf Ihre Neugier!

Ph. Matthias Kaufmann