für Mandoline solo

Beschreibung

Laut der griechischen Mythologie ließ Göttervater Zeus eine gewisse Pandora aus Lehm erschaffen, um sie Prometheus auf den Hals zu hetzen, weil dieser das Feuer gestohlen hatte. Pandora war zwar hochgradig attraktiv, verführerisch und mit allem ausgestattet, was sich lüsterne Götter und Halbgötter nur wünschen konnten, doch dummerweise hatte sie auch eine Kiste oder Büchse dabei, in der haufenweise üble Plagen eingeschlossen waren.

Pandora gilt heute also sozusagen als Ur-Femme-Fatale schlechthin, als Sündenfall-Eva des griechischen Altertums.

Aber wie ging es ihr wohl dabei? Hatte sie überhaupt jemand gefragt, ob sie sich für die Schurkenrolle hergeben wollte? Zugegeben, im Olymp wurde vermutlich wenig diskutiert. Schon gar nicht mit Angestellten aus Lehm. Aber, wie auch immer, der Gedanke ist durchaus legitim, dass auch eine Bringerin des Unheils mal eine Auszeit brauchte. Vielleicht hat sie sich dafür an irgendeinen netten Strand gesetzt, im Süden, kurz vor der Ewigkeit. Womöglich ist eine völlig neue, positive Energie in ihr aufgestiegen und sie hat sich vorgenommen, diesen göttlichen Wichtigtuern bei Gelegenheit mal die Meinung zu geigen. Oder vielleicht auch zu mandolieren. Aber erst nach dem Urlaub…

 

Diese Komposition entstand für die Mandolinistin Annika Hinsche (geb. Lückebergfeld). Der leichtfüßige Hauptteil (im 10/16-Takt) wird durch ein nachdenkliches Intermezzo im 3/4 unterbrochen, bevor der Schlussteil den Hauptgedanken des Anfangs wieder aufgreift und zu einem virtuosen Abschluss bringt. Bei Pandoras Urlaub handelt es sich nicht um Neue Musik im avantgardistischen Sinne, sondern um ein durch folkloristische Rhythmen, jazzangelehnte Harmonien und Pop beeinflusstes Kabinettstückchen spielerischen Charakters.

Material

Notenmaterial erhältlich bei:

Joachim-Trekel-Musikverlag, Hamburg

Weiterführende Links und Informationen

Pandoras Titel